Knoten-Workshop (III):
Kreatives Knoten

Hier habe ich ein paar Knoten zusammengestellt, die mir beim Schreiben von Teil II aufgefallen sind - sie sind alles etwas origineller als die Bisherigen, weil sie entweder hübsch, pfiffig oder beides sind.

Affenfaust | Wurfleinenknoten | Henkersknoten
Kuh-Knoten | Lochstek


Affenfaust Wird in den Tampen einer Wurfleine geschlagen, damit die Leine weiter fliegt.
engl.: monkey's fist

Die Affenfaust ist so beliebt, weil sie so gut aussieht. Man wickelt den Tampen (lang lassen, der Knoten braucht viel Leine) 3x um Zeige- und Mittelfinger...

...und schnürt ihn dann ganz locker und ebenfalls 3x quer ein...

...so wie hier. Dann führt man den Tampen oberhalb der Einschnürung innen durch den Knoten...

...auf der anderen Seite wieder heraus...

... und unten wieder durch den Knoten zurück, so dass man nun die Einschnürung wiederum einschnürt.

Auch das macht man drei mal. Wenn man den Knoten dabei etwas in Richtung Würfel formt...

...sieht er am Ende so aus. Ganz Geschickte kommen mit der Leine genau aus; andernfalls kann man den Tampen auch mit 2 halben Schlägen an der stehenden Part belegen.
Die blöde Affenfaust hat natürlich einen Nachteil: sie ist nicht mal so auf die Schnelle gesteckt, sondern vielmehr ein nerviges Gefummel. Das gilt dann hinterher auch noch mal für's Lösen. Der Achtknoten ist in der Regel schneller, aber nicht so chic.

Als zusätzliches Gewicht kann man übrigens auch noch einen Kieselstein in den Knoten einbinden - hat man ja schießlich immer an Bord! - und das Teil damit zum potenziell tödlichen Geschoss machen...

In jeder Beziehung schneller/ besser/ einfacher: der Wurfleinenknoten!

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Wurfleinenknoten Verwendung wie bei der Affenfaust.
engl.: heaving line knot

Den bekommst du auch auf dem schwankenden Vordeck hin: eine Bucht legen...

...und von hinten her mit der losen Part einbinden,...

...so oft, bis das Ende aufgebraucht ist.

Zum Schluss den Tampen durch die Bucht ziehen...

...und vom anderen Ende her die Bucht zuziehen: fertig.
Je mehr Leine man in den Knoten bindet, desto schwerer wird er und desto besser lässt er sich werfen.

Hier ein größerer Wurfleinenknoten und eine Affenfaust im Größenvergleich; die beiden Knoten sind gleich schwer (ohne einen eingebundenen Stein in der Affenfaust).
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Henkersknoten Eignet sich u.a. zur Befestigung von Haken an der Angelleine.
engl.: hangman's noose

Die bekannte Henker-Schlinge ist praktisch ein auf Slip gelegter Wurfleinenknoten. Man legt zwei Buchten...

...und wickelt wieder die lose Part mehrmals (traditionell neun mal oder dreizehn mal, praktisch eher sechs bis acht mal) um den ganzen Knoten, und zwar auch hier wieder "zurück", also auf diejenige Bucht zu, die der losen Part näher ist.

Am Ende steckt man wieder den Tampen durch und zieht den Knoten von der Schlinge her zu.

Der Knoten lässt sich jetzt relativ leicht auf der stehenden Part verschieben.

Die klassische Position des Knotens ist etwas hinter und unter dem linken Ohr...

...aber er taugt auch überall sonst, wo ein Auge gebraucht wird, dass sich unter Zug verlässlich selbst zuzieht.

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Kuh-Knoten Zum vorübergehenden Festmachen eines Bändsels.
engl.: cow hitch

Eine kleine Entspannungsübung: lege eine Bucht in das Bändsel und lege diese z.B. über die Reeling...

...führe beide Tampen um den Reelingsdraht und durch die Bucht...

...und zieh's zu.

... Löst sich nicht, rutscht nicht (!), ist nicht im Weg und geht nicht verloren.
Der Knoten heißt übrigens nicht etwa so, weil er wie der Buchstabe "Q" aussieht, sondern weil er auch zum Festbinden von Kühen auf nicht eingezäunten Weiden benutzt wurde!
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Lochstek Zum Befestigen einer Leine an Gegenständen mit einem kleinen Loch.
engl.: knute hitch

Ebenso einfach wie genial: eine Bucht wird durch das Loch gesteckt,...

...der Tampen außen um den Kochlöffel durch die Bucht gesteckt...

...und dann das Ganze mit einem Achtknoten gesichert und festgezogen.

Der Knoten hält einwandfrei - mindestens solange Zug auf dem Ende ist. Die Leine wird so gewählt, dass das Loch etwas mehr als doppelt so groß wie die Leinenstärke ist.
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Übrigens empfiehlt ein einschlägiger Autor, Knoten vor dem TV zu üben. Wenn der Film spannend ist, dann lernt man automatisch, wie die Knoten blind gebunden werden. Ist der Film dagegen öde, hat man wenigstens was zu tun.


Ich wünsche gute Unterhaltung! - J.

 

Quellen/Literatur:

  • G. Budworth: "Knoten", Köln: Könemann, 1998
  • C. W. Ashley: "The Ashley Book Of Knots", New York: Doubleday, 1993
  • P. Kemp (Hrsg.): "The Oxford Companion To Ships And The Sea", London: Granada Publishing, 1979
  • International Guild of Knot Tyers (http://www.igkt.net)
  • "Seemannschaft", 24. Aufl., Bielefeld: Delius Klasing, 1996

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