Knoten-Workshop (II):
Varianten und Alternativen

Nachdem der erste Teil des Workshops gewissermaßen die Pflicht war, kommt nun die Kür. Neben dem unbedingt Notwendigen gibt es eine schier unüberschaubare Vielfalt von Knoten, mit denen man das persönliche Repertoire praktisch und ästhetisch abrunden kann. Hier sind ein paar Vorschläge, die immer einen oder mehrere der Knoten aus Teil I ersetzen können:

Doppelter Palstek (I) und (II) | Roringstek
Fischerknoten | Zeisingstek


Doppelter Palstek (I)
(Dieser Knoten ist der "Doppelte Palstek" aus der "Seemannschaft".)
Wird wie der einfache Palstek verwendet, wenn man ein doppeltes Auge braucht oder die Tampen nicht zur Hand hat.
engl.: bowline on a bight.

Am Anfang legt man in das Ende eine Bucht und beginnt wie beim einfachen Palstek,...

...indem man die Bucht ("Ente") von hinten durch ein Auge ("Teich") führt.

Nun krempelt man die Bucht auseinander und stülpt sie...

...nach hinten über den ganzen Knoten.

Dann alles festziehen. Das Ergebis sind zwei feste Augen.

Der Knoten lässt sich als Not-Bootsmannsstuhl oder Bergeschlaufe nutzen; man sitzt dann mit jedem Bein in einem Auge - das soll allerdings sehr weh tun...!

Es gibt noch einen weiteren Knoten, der im Deutschen "Doppelter Palstek" heißt:

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Doppelter Palstek (II) Festes Auge, wie beim einfachen Palstek, aber unter bestimmten Bedingungen verlässlicher.
engl.: double bowline.

Hier wird nicht der ganze Knoten, sondern nur das anfängliche Auge (der "Teich")...

...verdoppelt. Der Rest des Knotens...

...funktioniert wie der normale Palstek: Die Ente kommt aus dem Teich, läuft um den Baum...

...und springt wieder in den Teich.

Am besten so zuziehen, dass die beiden "Teich"-Augen schön parallel liegen.

Offenbar gibt es (besonders beim Klettern) Belastungssituationen, bei denen der einfache Palstek umschlagen und sich lösen kann. Diese doppelte Variante gilt als sicherer und auch fester.
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Roringstek Zum Festmachen am Ring.
engl.: anchor bend

Das Folgende geht natürlich auch an einer Stange oder so: fang an mit einem 1 1/2 Rundtörn...

...und zieh' die lose Part durch: fertig!

Der zusätzliche halbe Schlag gehört eigentlich nicht mehr zum Roringstek, bietet sich aber zur Sicherung an.

Der Roringstek ist der übliche Knoten, mit dem Warpleinen mit Ankerketten verbunden werden; daher der englische Name.
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Fischerknoten Verbindet sehr dekorativ zwei gleich starke, auch glitschige Enden; ist dabei in sich verschiebbar.
engl.: fischerman's knot

Zuerst bindest du das eine Ende in einen Überhandknoten mit dem anderen Ende ein. Dabei führst du den blauen Tampen zuerst
über das weiße Ende...

...und dann
unter beiden Parten hindurch...

...und bindest dann den Überhandknoten.

Auf der anderen Seite machst du das Gleiche mit dem weißen Tampen: erst drüber weg, dann drunter her...

...und dann einbinden.

Wenn du den Knoten jetzt zusammenziehst, dann schmiegen sich die beiden Teile genau ineinander...

...und das auch auf der anderen Seite. Man erkennt sofort, ob der Knoten richtig ist.

Dieser Knoten ist zuverlässig und, finde ich, sehr dekorativ. Leider hat er einen Nachteil: Es gibt mindestens sechzehn Möglichkeiten, die beiden Überhandknoten zu schlagen, und davon führen nur zwei Kombinationen zum richtigen Ergebnis! (Daher die ausführliche Beschreibung hier.)
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Zeisingstek Verbindet zwei unterschiedlich starke Leinen. 
engl.: seizing bend

Du beginnst mit einer Bucht im stärkeren Tampen, dabei liegt die lose Part zu dir hin (hier: unten). Um die Bucht legst du einen Rundtörn mit dem anderen Tampen, und zwar von hinten nach vorn und ebenfalls zu dir hin.

Wickele das dünne Ende mehrmals um die beiden Stränge des stärkeren Tampens und arbeite dich dabei wieder auf die Bucht mit dem Rundtörn zu...

...und lass dabei etwas von dem dünnen Ende übrig.

Ziehe jetzt den Rundtörn nach vorn auf...

...und stülpe ihn über die lose Part des stärkeren Endes...

...und ziehe ihn wieder zu, so dass er den ganzen Knoten zusammenhält.

Das Ganze kannst du noch mit einem Palstek sichern.

Der Knoten wurde übrigens erst 1986 erfunden.
Der Zeisingstek dient dem selben Zweck wie der Schotstek, ist aber beständiger, zuverlässiger und auch für sehr große Stärkenunterschiede zwischen den beiden Enden geeignet.
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Übrigens ist es unter Bergsteigern, wo es ja nun wirklich drauf ankommt, dass die Knoten richtig sind, üblich, dass man seine Knoten von einer zweiten Person kontollieren lässt. Der Kontrollierende hat es dann natürlich einfacher, wenn er das richtige Aussehen des fertigen Knotens sofort im Kopf hat.

Unter uns Seglern ist das weniger üblich, aber warum eigentlich nicht? Schon so mancher Skipper hat in einer Sturmnacht ruhiger geschlafen, weil er abends kurz die Festmacher nachgesehen hat! 


Weiterhin viel Spaß - J.

 

Quellen/Literatur:

  • G. Budworth: "Knoten", Köln: Könemann, 1998
  • C. W. Ashley: "The Ashley Book Of Knots", New York: Doubleday, 1993
  • P. Kemp (Hrsg.): "The Oxford Companion To Ships And The Sea", London: Granada Publishing, 1979
  • International Guild of Knot Tyers (http://www.igkt.net)
  • "Seemannschaft", 24. Aufl., Bielefeld: Delius Klasing, 1996

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